Trentino bis Kotecnik

By , August 6, 2011 12:26 pm

Unser Aufenthalt in den Dolomiten war kürzer als geplant. Wir wollten dort etwas klettern gehen, aber es war ganz schön kalt und hat bis auf 2300 Meter hinab gescheit. Wir schliefen auf 2000 Meter Höhe und ich habe uns mit Daunenjacke und Mütze ein paar Spieße gebraten. Klettern fiel also wegen Schnee flach und wir sind ein wenig herum gefahren, um uns die Gegend anzuschauen. Wir waren ja beide noch nie in den Dolomiten. Eine klasse Gegend – leider zu der Jahreszeit hoffnungslos überlaufen. Und wie das mit Touristen-Gegenden so ist, leider auch überreglementiert. Da unser Tank schon wieder fast leer war, entschlossen wir uns über Kärnten nach Slowenien zu fahren und in Österreich endlich mal wieder voll zu tanken. Auf der Suche nach einem Platz für die Nacht , sind wir dann von Lienz aus irgend einen Pass hoch gefahren und landeten im Gailtal. Dort fanden wir einen Bauernhof-Campingplatz auf dem wir endlich mal wieder in den Genuss sanitärer Einrichtungen kamen, nette Leute kennen lernten und einen unterhaltsamen Abend hatten. Der Besitzer, deutlich über 80 und sehr gesprächig, erzählte uns vom Gipfel des Reißkofel und der „Jochalm“ darunter, auf der es eine Sennerei gibt.

Wir packten unser Zeug und fuhren auf die Alm. Nach einer guten halben Stunde auf einem Natursträßchen waren wir oben. Als erstes fiel uns auf, dass sich anscheinend nur sehr selten Fremde hier hoch verirren. Es tummelte sich eine Hand voll Einheimische, die ihr „Freitag-Nachmittag-Feierabendbier“ hier oben tranken. Das kam uns vernünftig vor, und wir taten ihnen gleich. Nach einer Weile wäre das herunterfahren (zumindest für mich) nicht mehr so vernünftig gewesen und Kris fragte mal vorsichtig nach, ob wir denn hier oben unser Lager aufschlagen könnten. Alles kein Problem, also parkten wir das Auto schön auf dem Kuhfreien Parkplatz der Sennerei, kochten Pasta und tranken weiter Bier.

Um uns herum begann ein Haufen Kinder Fussball zu spielen. Das Holzteil neben uns war also ein Tor. Mit den Eltern eines der Jungen kamen wir ins Gespräch. Sie erzählten uns, dass sie mit der ganzen Rasselbande ein paar Meter weiter unten in einer Hütte übernachten und luden uns ein, am nächsten Morgen auf einen Kaffee vorbei zu kommen. Wir haben am nächsten Morgen erst mal schön ausgeschlafen und gemütlich die Nudelreste vom Vorabend gegessen, als Kris gegen Mittag auf die Idee kam jetzt doch noch schnell auf den Gipfel zu steigen. Einheimische erzählten uns, dass man es in zweieinhalb Stunden auf den Gipfel schaffen kann und dass es zwei Wege gäbe, einen Steig und einen Wanderweg. Wir sind dann wie immer eigentlich viel zu spät aufgebrochen und hofften, dass das Wetter hält. War nämlich nicht so angesagt, und der Wind kam vom Gipfel her, so dass man nicht sehen konnte, was auf uns zukommt. Wir verliessen uns einfach mal auf unser Glück und stiegen auf. Entschieden haben wir uns für den Steig. Sehr schön ist, dass der Steig fast völlig frei von Stahl ist – nur einmal kurz gab es, warum auch immer, ein Stahlseil. Was für eine Unart, die Berge mit Stahlseilen und Stiften zu verschandeln! Es war hauptsächlich schöne Kletterei im ersten und zweiten Grad und endete auf dem Gipfelgrat, der über zwei Zacken zum Gipfel führt. Beim Aufstieg fing es an zu Regnen. Da wir mitten in einer Kletterpassage waren, entschieden wir uns dafür weiter aufzusteigen, da Abklettern im nassen Kalk sicher gefährlicher gewesen wäre und wir vom Gipfelgrat aus den Wanderweg nach unten nehmen könnten. Das war die richtige Entscheidung und wir hatten zudem noch Glück, dass der Regen bald aufhörte und weiter oben war alles trocken. Das Gipfelfoto ist leider etwas Wolkenverhangen.

 

Über den Wanderweg stiegen wir dann wieder ab, aßen noch lecker in der Sennerei und schauten beim Weg nach unten bei der Hütte vorbei, wo wir eigentlich auf einen Kaffee am Morgen eingeladen waren. Aus dem Kaffee am Morgen wurde dann Bier, Schnaps und nette Gespräche am Abend. Wir schliefen vor der Hütte im Auto, duschten morgens in der Hütte und brachen gegen Mittag überwältigt von der Gastfreundschaft auf in Richtung Slowenien.

Erst fuhren wir ein wenig herum, schauten uns das Soca Tal an, und steuerten dann Bled an. Endlich Sportklettern dachte ich mir. Bled ist auf der einen Seite sehr schön, hat aber auch sehr viel von Disney World. Alles voll Touristen und alles kostet Geld. Auch noch viel Geld. Definitiv nichts für uns. Zum Schlafen sind wir dann auf irgendeinen Berg hoch geflüchtet und sind über einen schlammigen Forstweg mit tiefen Spurrillen in den Wald gefahren, wo dann auch gleich eine kleine Lichtung kam. Hier kommt sicher kein Auto vorbei – höchstens derbes Gerät dachte ich mir. Und vor dem Gebimmel der Kuhglocken, was uns die beiden Nächte davor begleitet hat, haben wir auch erst mal Ruhe. Umso unglaublicher, dass es am nächsten Morgen tatsächlich wieder angefangen hat zu Bimmeln, und wenig späte eine Kuh und ein paar Kälber um uns herum standen. Dann kämpfte sich noch das Mofa des Kuhhirten durch den Schlamm. Der Herr war wohl etwas irritiert von unserer Anwesenheit…

Da Klettern in Bled nach unseren Eindrücken dort keine Option mehr war, entschieden wir uns nach Kotecnik zu fahren. Kotecnik ist ziemlich genau das Gegenteil von Bled. Es liegt in weit weg von allem und es gibt so gut wie gar keinen Tourismus hier. Es sieht ein wenig aus wie im Odenwald nur nicht so gut erschlossen. Zu sehen gibt es eigentlich überhaupt nichts hier. Wenn da nicht im Wald versteckt Kalkfelsen aller erster Güte wären …

 

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